Him: CHAOS-Tage in Mannheim

von Chris Glaub

Um 14.30 Uhr ist Treffpunkt mit dem altbekannten Chaos Mannheim-Geschwader (Annette, Sabine, Steffi und dem Schach-Crack Fabian) und meiner Frau am Rosengarten in Mannheim, wobei die Show von HIM seit Wochen ausverkauft ist. Und da wird einem um die Uhrzeit schon einiges geboten: Der Rosengarten ist jetzt bereits von circa 300 Mädels (gut, ein paar Männer sind auch dabei) belagert, und zu 97% sind alle in schwarz gekleidet. Wow, so etwas erlebt man selten! Und alles nur, um in die erste Reihe zu gelangen! Das nehme ich jetzt vorweg: die Ordner und vor allem die Sanitäter hatten an diesem Abend alle Hände voll zu tun; ich schätze mal, daß mindestens 50 Girlies rausgetragen wurden. Auch kurios: ein nettes Pärchen, das zur BREAK OUT-Leserschaft gehört, spricht mich vor der Halle an, und da erfahre ich, daß die beiden die komplette Deutschlandtour als Fans mitfahren. Cool, anstatt die Kohle auf Gran Canaria zu verprassen, gibt's Ville & Co in allen deutschen Städten. Erinnert mich ein bißchen an meine Jugend! Schule schwänzen und auf zu Led Zeppelin nach Köln und Dortmund, obwohl sie danach zweimal in Mannheim spielten, wo ich natürlich auch dabei war. Nach der heftigen Begrüßung mit Silke, Migé, Burton und Linde geht's nach einem Bier direkt zum Soundcheck. Aber zuvor will man natürlich wissen, was einem auf dem Konzert erwartet. "In Joy And Sorrow", mein absolutes Lieblingsstück, darf doch nicht fehlen, oder? "Uff", gulpt mal wieder Migé, "das könnte diesmal schwer werden, weil Linde sich an der Hand verletzt hat, und speziell bei diesem Song und auch bei 'Dark Light' gibt es Passagen, die er dann nicht so gut rüberbringen kann." Und was ist mit "x", ich nenne es jetzt mal so (Auflösung folgt), das ihr gestern angeblich gespielt habt? "Wahrscheinlich werden wir dies auch heute machen." Nicht wahrscheinlich, das muß Pflicht sein! Und der Soundcheck (ohne Ville allerdings, der mir bis dato noch nicht über den Weg gelaufen ist) war superb. Mit einem fetten Sound blasen einen die vier Jungs "Dark Light" (was leider wie zu erwarten später nicht im Set war) und "In Joy And Sorrow" mit Migé am Mikro (ultracool!) um die Ohren, und da der Soundmensch noch nicht zufrieden ist, gibt's noch "Butterfly" als Zugabe. Das ist schon eine richtige Privataudience gewesen! Mit Migé und Burton (Silke und Ville hatten Promo-Termine und Gas wollte sich lieber seinem Computer widmen) und dem CHAOS-Geschwader geht's wie immer in den Uni Club, die Vereinsgaststätte von CHAOS MANNHEIM, um mal wieder anständig zu zocken. Und die HIM-Buben haben sich wirklich etwas vorgenommen! Stolz präsentiert mir Burton ein wirklich gutes Schachbuch über die Skandinavische Eröffnung, die ich ja bekanntlich spiele. Also schnappe ich mir gleich die Jungs … und bleibe für sie bei regulären Bedingungen nach wie vor unbesiegbar! Bundesliga-Spieler Fabian macht es mir mit Handicap (er eine Minute, die Jungs je fünf Minuten) nach. So kann das nicht weitergehen! Deswegen geht's mit Schmackes weiter! Jägermeister Schach! Pro geschlagener Figur von Burton muß Fabian sich einen genehmigen … das Ende vom Lied sind leider nur sechs Jägis und Burton als Verlierer. Sabine macht es Fabian nach, aber das sind - dank der defensiven Spielweise der Frauen! - auch nur sechs richtig kleine Jägis in zwei (!) Partien. Mann, waren das noch Zeiten, als wir vor zwei Jahren unseren ehemaligen ersten Vorsitzenden ans Brett ließen, der gleich drei Partien am Stück bestritt und am Ende 80% seiner Figuren dabei verlor. Rechnet mal! Das war richtig intensiv! Gut, das Jägermeister-Schach ist diesmal nicht so prickelnd verlaufen, aber der Rest schon! Es geht normal weiter. Burton - das sehe ich ihm schon in den Augen an! - will mich unbedingt bezwingen, und er ist ja nicht der Schlechteste. Bei einer relativ kaputten Stellung meinerseits (Schande über mich!), gewinne ich dennoch ganz locker durch die Zeit. Aber ich habe Glück gehabt! Burton aber hat Blut geleckt! In der nächsten Partie geht's richtig zur Sache! Klarer Eröffnungs- und Mittelspielvorteil für mich, es kann eigentlich nichts mehr passieren … denkste! Einzügig stelle ich die Dame ein und verteidige mich wie ein Berserker. Ich schaue auf die Uhr: Vier Sekunden habe ich noch, Burton zwölf! Im Hintergrund höre ich von "Kameradenschweinen" nur "Burton! Burton! Move Faster!" Dank Nervenstärke (!) und den schnellsten Zügen (!!!), die ich jemals gespielt habe, habe ich meinen Nimbus der Unbesiegbarkeit gegen die Jungs doch noch gehalten. Ich hatte noch eine Sekunde auf der Uhr, Burton null! So ist das Leben eben; jetzt dürft ihr ihn alle mit "One Second"-Burton anreden, hat er sich ja auch redlich verdient! Aber immerhin hat Burton unsere Steffi geschlagen und Anette ein Remis abgeknöpft. Das ist doch etwas! Migé geht leider leer aus, aber Übung macht den Meister. Danach geht's weiter mit Tandem-Schach, wobei ich mit Sabine eine superbe Partnerin habe, wo wir Migé und Burton gleich mehrmals gnadenlos abschießen. Burton spielt jetzt mit Steffi gegen mich und Migé. Da mußten wir beide leider die Segel streichen, sorry, aber ich hätte gern bei dieser Abart von Schach Migé ein Erfolgserlebnis gegönnt. Aber leider hat mich Burton wunderschön mit drei eingesetzten Springern platt gemacht! Kompliment! Mittlerweile ist es 20 Uhr, und wir müssen zurück in den Rosengarten. Beim kurzen Aufenthalt im Backstage-Bereich gibt's endlich ein Wiedersehen mit Ville, und nach einem Bier begeben wir uns in die Halle. Über Negative kann ich euch leider nichts berichten, da wir da noch euphorisch am Schachbrett saßen, aber die Rasmus-Performance in Mannheim ist okay. Ich habe die Jungs auf der damaligen Headliner-Tour in Mannheim gesehen, und da galt das Gleiche. Mir ist einfach zu wenig musikalische Abwechslung im Programm, die - wenn man so will - nur in der Ballade "Sail Away", die im Radio hoch und runter gedudelt wird, besteht. Ansonsten das Übliche, inklusive Hits wie "Guilty" und natürlich "In The Shadows". Ein bißchen zu wenig, um in die Superliga aufzusteigen. Aber den Fans hat's gefallen. Das ist bei HIM ganz anders! Die Jungs sind flexibel, haben Rocker und Balladen, können es mal ganz spontan krachen lassen und verfügen über exzellente Musiker, die ihr Metier wirklich beherrschen und immer für Überraschungen gut sind. Und die schätzungsweise 2.500 Zuschauer haben es denn Jungs gedankt, denn sie werden mit offenen Armen empfangen. Mit "Soul On Fire" wird durchgestartet, dann folgen "Butterfly", "Right Here In My Arms", "Wicked Games", "Join Me" … einfach nur geil! Speziell weil der Sound um Klassen besser ist als damals in München. Es folgt ein Greatest Hits-Programm inklusive der Überflieger von "Dark Light". Apropos: Unseren Krofta habe ich auch noch getroffen, der mit Ville ein Interview führte und dabei ein ultraderbes Photo von Villes mit blauen Flecken übersätem Arm schoß. Die blauen Flecke hat er sich bei einem Nachbarschaftsstreit zugezogen, wo auch der ein oder andere Blumentopf geflogen sei. Und warum Ville alle Konzerte mit Schlumpf-Mütze absolviert? Ganz klar, er hat Angst vor einer Glatze, so lautet zumindest das neueste Gerücht! Egal, weiter geht's mit dem Gig! Die Jungs sind in höllischer Spiellaune, und dann bekundet Ville seine Leidenschaft für CHAOS MANNHEIM und widmet uns den Song "In Joy And Sorrow", der - wie bereits erwähnt - mit etwas Nachdruck ins Programm genommen wurde. Eine verdammt nette Geste! Dafür wurde leider "Play Dead" - eines meiner Faves von "Dark Light" - gestrichen, aber man kann nicht alles haben! Blicken wir direkt nach vorne und gehen zu den Zugaben. Drei sollen es sein, erzählten mir diverse Fans vorab. "Buried Alive By Love" gefolgt von "Funeral Of Hearts" (von Ville unserer Annette gewidmet) gehen vollkommen in Ordnung, aber als ich dann "Solitary Man" höre, fliegt mir das Gesicht runter, denn ich wollte doch besagten Song "x" hören. Und der kommt direkt im Anschluß! Das Monstrum ist musikalisch "Black Sabbath" mit den Lyrics von Madonnas "Frozen", und dies so ultraderb in Type O Negative-Manier zelebriert, wie es ein Pete Steele nicht besser könnte. Ich glaube, diverse Mädels waren geschockt von dieser Performance, aber das ist gut so! Danach fließt das Bier und ausnahmsweise mal Wodka im Backstage-Bereich in Strömen, aber leider nur für eine Stunde, da Ville & Co sofort mit dem Bus weiter nach Köln reisen mußten. Apropos: Migé habe ich wegen seiner obskuren Mailadresse, um deren Bedeutung er so ein Geheimnis machte, noch einmal angesprochen, ihm die Bedeutung des Namens anhand eines Beispiels aus unserer glorreichen Vereinsgeschichte erklärt. "Ah, du spielst auf Golden Shower und Natursekt an", lacht er sich einen ab, "aber das hat damit gar nichts zu tun. Damals mußten wir uns, um ein zweites Demo aufnehmen und finanzieren zu können, einen anderen Namen zulegen, weil du als Band nur einmal pro Jahr so etwas machen durftest." Puh, Glück gehabt, aber dem lieben Migé konnte ich mir nun wirklich nicht als Wüstling vorstellen. Hoffen wir, dass es im August mit dem international besetzten Turnier in Mainz - wo HIM jetzt offiziell eingeladen sind - klappt, denn das würde eine Woche Rock 'n' Roll pur bedeuten.



Home